Wie läuft eine ADHS Diagnostik ab?

Wie wird ADHS diagnostiziert – und warum ist es keine „Modeerkrankung“?

Kaum eine psychische Erkrankung wird heutzutage so oft belächelt oder falsch verstanden wie ADHS. Viele Menschen sagen Dinge wie:

„Früher gab es das doch auch nicht.“
„Heute hat plötzlich jeder ADHS.“
„Das ist doch nur eine Ausrede.“
„Die Leute hängen einfach zu viel am Handy.“

Solche Aussagen zeigen vor allem eines:
Wie wenig viele Menschen wirklich über ADHS wissen.

ADHS ist keine „Modeerkrankung“. Und es ist auch keine Erfindung der heutigen Zeit. Die Erkrankung wird wissenschaftlich bereits seit Jahrzehnten erforscht. Der Unterschied ist nur: Früher wurden viele Betroffene schlicht nie erkannt.

Vor allem Erwachsene, Frauen oder ruhige Betroffene fielen oft durchs Raster. Viele galten einfach als faul, chaotisch, sensibel oder schwierig. Heute weiß man deutlich mehr über ADHS – deshalb erhalten mittlerweile auch Menschen eine Diagnose, die früher ihr ganzes Leben lang unerkannt geblieben wären.

Und nein: Eine ADHS-Diagnose bekommt man nicht einfach mal eben nach einem kurzen Internettest.

Eine seriöse Diagnostik ist meistens umfangreich und besteht aus mehreren Gesprächen, Fragebögen und Untersuchungen. Dabei schauen Fachleute sehr genau hin, ob die Symptome tatsächlich zu ADHS passen oder ob möglicherweise andere psychische Erkrankungen dahinterstecken.

Wichtig ist vor allem:
Die Probleme müssen meist schon seit der Kindheit bestehen und mehrere Lebensbereiche beeinflussen – zum Beispiel Schule, Arbeit, Beziehungen oder Alltag.

Zur Diagnostik gehören häufig:

  • ausführliche Gespräche über die eigene Lebensgeschichte

  • Fragen zur Kindheit und Schulzeit

  • spezielle ADHS-Fragebögen

  • Gespräche über aktuelle Probleme im Alltag

  • Ausschluss anderer psychischer oder körperlicher Ursachen

  • teilweise Gespräche mit Angehörigen oder Eltern

  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitstests

Denn viele Symptome von ADHS überschneiden sich mit Depressionen, Angststörungen, Traumafolgestörungen oder anderen psychischen Erkrankungen. Genau deshalb ist eine gründliche Diagnostik so wichtig.

Außerdem bedeutet eine Diagnose nicht automatisch, dass jemand „ein bisschen unkonzentriert“ ist.

ADHS kann das komplette Leben beeinflussen. Arbeit. Beziehungen. Selbstwertgefühl. Schlaf. Emotionen. Struktur. Motivation. Viele Betroffene kämpfen täglich mit Dingen, die andere gar nicht wahrnehmen.

Das Problem ist nur:
Von außen sieht man diese Kämpfe oft nicht.

Viele Menschen mit ADHS funktionieren irgendwie nach außen. Sie gehen arbeiten. Lächeln. Treffen Freunde. Gleichzeitig sind sie innerlich permanent erschöpft, überfordert oder komplett reizüberlastet. Manche brauchen für einfache Alltagsaufgaben eine Kraft, die Außenstehende niemals nachvollziehen können.

Ich kenne dieses Gefühl selbst.

Und genau deshalb trifft es viele Betroffene hart, wenn ihre Erkrankung heruntergespielt wird. Wenn Menschen behaupten, ADHS sei „nur ein Trend“ oder „heutzutage hat das doch jeder“. Denn niemand sucht sich freiwillig ein Leben voller Überforderung, Selbstzweifel und innerem Chaos aus.

Natürlich gibt es Menschen, die sich vorschnell selbst diagnostizieren. Und natürlich bedeutet nicht jede Konzentrationsschwäche automatisch ADHS. Aber das ändert nichts daran, dass ADHS für Millionen Betroffene eine reale und ernstzunehmende neurologische Störung ist.

Psychische Erkrankungen verschwinden nicht, nur weil man sie ignoriert oder nicht ernst nimmt.

Und genau deshalb ist Aufklärung so wichtig.

Mit dieser Website möchte ich offen über ADHS, Depressionen und andere psychische Erkrankungen sprechen – ehrlich, direkt und ohne Vorurteile. Nicht um Mitleid zu bekommen. Sondern damit Betroffene sich verstanden fühlen und Außenstehende endlich begreifen, dass psychische Erkrankungen weit mehr sind als dumme Klischees oder Internet-Trends.

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