Wieso wird ADHS teilweise so spät erkannt?

Viele Menschen denken bei ADHS sofort an ein hyperaktives Kind, das im Unterricht nicht still sitzen kann. Genau dieses Bild sorgt bis heute dafür, dass ADHS bei unglaublich vielen Betroffenen jahrelang unerkannt bleibt.

Denn ADHS sieht nicht bei jedem Menschen gleich aus.

Manche Betroffene sind laut und impulsiv. Andere dagegen wirken ruhig, verträumt oder angepasst. Viele lernen schon früh, ihre Probleme zu verstecken oder irgendwie zu kompensieren. Nach außen funktionieren sie vielleicht sogar relativ gut – innerlich herrscht jedoch permanentes Chaos.

Gerade Erwachsene bekommen deshalb oft erst sehr spät eine Diagnose.

Viele leben jahrzehntelang mit dem Gefühl, einfach „anders“ zu sein. Sie kämpfen mit Konzentrationsproblemen, Vergesslichkeit, Überforderung, innerer Unruhe oder emotionalem Chaos, ohne zu wissen, warum. Statt Unterstützung bekommen sie häufig Vorwürfe.

„Du bist zu faul.“
„Du musst dich einfach besser organisieren.“
„Reiß dich zusammen.“
„Andere schaffen das doch auch.“

Und irgendwann glauben viele Betroffene selbst, dass sie einfach unfähig oder kaputt sind.

Hinzu kommt, dass ADHS oft mit anderen psychischen Erkrankungen verwechselt wird oder gemeinsam mit ihnen auftritt. Depressionen, Angststörungen, Schlafprobleme, Burnout oder emotionale Erschöpfung stehen häufig so stark im Vordergrund, dass das eigentliche ADHS lange gar nicht erkannt wird.

Viele Menschen suchen deshalb ursprünglich wegen Depressionen oder dauerhafter Überforderung Hilfe – und erfahren erst später, dass möglicherweise ADHS dahintersteckt oder zusätzlich vorhanden ist.

Auch gesellschaftliche Vorurteile spielen eine große Rolle.

ADHS wird bis heute von manchen Menschen nicht ernst genommen. Einige halten es für eine „Mode-Diagnose“ oder denken, Betroffene seien einfach undiszipliniert. Dadurch zweifeln viele Betroffene selbst jahrelang an ihren Problemen und trauen sich nicht, offen darüber zu sprechen.

Besonders Frauen werden oft sehr spät erkannt.

Der Grund dafür ist einfach: ADHS zeigt sich bei Frauen häufig anders als bei Männern. Viele Frauen wirken nach außen eher ruhig, angepasst oder verträumt statt hyperaktiv. Statt aufzufallen, versuchen sie oft permanent, ihre Schwierigkeiten zu überspielen. Das kostet unglaublich viel Kraft – bleibt aber von außen häufig unsichtbar.

Ich kenne dieses Gefühl selbst sehr gut.

Rückblickend ergeben plötzlich viele Dinge Sinn. Die ständige Überforderung. Dieses Gefühl, nie richtig zu funktionieren. Die innere Unruhe. Das Chaos im Kopf. Viele Betroffene kämpfen jahrelang gegen sich selbst, ohne überhaupt zu wissen, warum.

Und genau deshalb ist Aufklärung so wichtig.

Je früher ADHS erkannt wird, desto eher können Betroffene lernen, besser mit ihren Symptomen umzugehen und sich selbst zu verstehen. Denn oft ist die Diagnose nicht nur eine Belastung – sondern gleichzeitig auch eine enorme Erleichterung.

Plötzlich merkt man:
Man ist nicht faul.
Nicht dumm.
Nicht verrückt.
Und auch nicht alleine.

Mit dieser Website möchte ich deshalb offen über ADHS, Depressionen und andere psychische Erkrankungen sprechen. Ehrlich. Direkt. Ohne Vorurteile.

Denn psychische Erkrankungen sind oft unsichtbar – aber sie sind trotzdem real.

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