Wieso wird ADHS oft nicht korrekt erkannt?

Wieso wird ADHS oft nicht erkannt und stattdessen Depressionen, Borderline oder andere Erkrankungen diagnostiziert?

ADHS wird bei vielen Menschen jahrelang übersehen. Stattdessen erhalten Betroffene häufig andere Diagnosen wie Depressionen, Angststörungen, Burnout, Borderline oder Persönlichkeitsstörungen. Das bedeutet nicht automatisch, dass diese Diagnosen falsch sind – denn viele Menschen mit ADHS leiden zusätzlich tatsächlich unter weiteren psychischen Erkrankungen. Das Problem ist nur: Das eigentliche ADHS bleibt dabei oft unerkannt.

Und genau das kann für Betroffene extrem belastend sein.

Der Grund dafür ist relativ einfach:
ADHS zeigt sich nicht nur durch Konzentrationsprobleme oder Hyperaktivität. Viele Symptome überschneiden sich mit anderen psychischen Erkrankungen.

Menschen mit ADHS kämpfen häufig mit:

  • Stimmungsschwankungen

  • emotionaler Überforderung

  • innerer Unruhe

  • Schlafproblemen

  • Antriebslosigkeit

  • impulsivem Verhalten

  • Reizüberflutung

  • Selbstzweifeln

  • Erschöpfung

  • Problemen in Beziehungen

  • Konzentrationsstörungen

Und genau diese Symptome kommen auch bei Depressionen, Angststörungen oder Borderline vor.

Dadurch wird oft zuerst die Erkrankung erkannt, die am deutlichsten sichtbar ist. Wenn jemand komplett erschöpft, traurig und antriebslos wirkt, liegt die Diagnose Depression erstmal nahe. Wenn starke emotionale Schwankungen, impulsive Reaktionen oder Probleme in Beziehungen im Vordergrund stehen, denken manche eher an Borderline.

Was viele dabei nicht sehen:
ADHS kann hinter all diesen Problemen stehen – oder sie zumindest massiv verstärken.

Denn jahrelang mit unerkanntem ADHS zu leben, kann psychisch unglaublich belastend sein. Viele Betroffene erleben ständig Misserfolge im Alltag. Sie vergessen Dinge, bekommen Aufgaben nicht organisiert, fühlen sich permanent überfordert oder funktionieren nur mit extremer Kraftanstrengung.

Irgendwann entstehen daraus oft weitere psychische Probleme.

Viele entwickeln Depressionen, weil sie sich dauerhaft unfähig fühlen. Andere kämpfen mit Angststörungen, weil sie ständig Angst haben, wieder etwas zu vergessen oder zu versagen. Manche wirken emotional instabil, weil ihr Nervensystem dauerhaft überlastet ist.

Das Schwierige ist:
Von außen sieht man meistens nur die Folgen – nicht die Ursache dahinter.

Hinzu kommt, dass viele Betroffene ihre ADHS-Symptome jahrelang verstecken oder unbewusst kompensieren. Besonders Erwachsene haben oft Strategien entwickelt, um irgendwie durch den Alltag zu kommen. Dadurch fällt das eigentliche ADHS noch weniger auf.

Auch gesellschaftliche Vorurteile spielen eine Rolle. Viele Menschen – selbst manche Fachkräfte – haben immer noch das alte Bild vom „hyperaktiven Kind“ im Kopf. Erwachsene mit ADHS, ruhige Betroffene oder Menschen mit zusätzlichen psychischen Erkrankungen passen oft nicht in dieses stereotype Bild hinein.

Ich kenne dieses Gefühl selbst sehr gut.

Wenn man jahrelang versucht zu verstehen, warum man sich ständig überfordert, chaotisch oder innerlich kaputt fühlt, beginnt man irgendwann an sich selbst zu zweifeln. Viele Betroffene verbringen einen großen Teil ihres Lebens damit, sich selbst die Schuld zu geben.

Deshalb ist Aufklärung so unglaublich wichtig.

Denn ADHS bedeutet nicht automatisch, dass andere Diagnosen ausgeschlossen sind. Viele Menschen haben tatsächlich mehrere psychische Erkrankungen gleichzeitig. Aber wenn das ADHS unerkannt bleibt, fehlt oft ein wichtiger Teil des Gesamtbildes.

Und genau deshalb möchte ich auf dieser Website offen über solche Themen sprechen. Über Depressionen. Über ADHS. Über Fehldiagnosen. Über das Gefühl, sich selbst jahrelang nicht zu verstehen.

Denn manchmal verändert eine richtige Diagnose nicht das ganze Leben – aber sie erklärt plötzlich, warum sich dieses Leben so lange so schwer angefühlt hat.

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