Wie kann man mögliches ADHS als Laie erkennen?

Vorweg ist mir eines ganz wichtig:
Nicht jeder vergessliche, chaotische oder unkonzentrierte Mensch hat automatisch ADHS. Jeder kennt Phasen von Stress, Überforderung oder innere Unruhe. ADHS ist deutlich komplexer als das. Trotzdem gibt es bestimmte Anzeichen, die darauf hindeuten können, dass mehr dahintersteckt – besonders dann, wenn diese Probleme schon seit der Kindheit bestehen und das gesamte Leben beeinflussen.

Viele Menschen mit ADHS merken jahrelang gar nicht, dass sie betroffen sein könnten. Manche bekommen erst im Erwachsenenalter eine Diagnose. Oft nachdem Depressionen, Angststörungen, Burnout oder massive Probleme im Alltag entstanden sind. Viele haben ihr ganzes Leben lang nur gehört, sie seien „faul“, „zu sensibel“, „chaotisch“ oder „einfach zu anstrengend“.

Dabei steckt häufig etwas ganz anderes dahinter.

Ein mögliches Anzeichen für ADHS ist zum Beispiel extreme Vergesslichkeit. Termine werden vergessen. Dinge ständig verlegt. Gespräche beginnen – und mitten im Satz weiß man plötzlich nicht mehr, was man sagen wollte. Man nimmt sich fest vor, etwas zu erledigen, aber das Gehirn scheint einfach nicht anzuspringen.

Viele Betroffene kämpfen außerdem mit Konzentrationsproblemen. Und damit ist nicht gemeint, dass man mal kurz aufs Handy schaut. Menschen mit ADHS beschreiben oft das Gefühl, dass ihr Gehirn permanent mehrere Radiosender gleichzeitig abspielt. Gedanken springen hin und her. Geräusche, Licht oder kleine Ablenkungen können plötzlich unfassbar anstrengend werden.

Gleichzeitig erleben viele etwas, das Außenstehende oft nicht verstehen: den sogenannten Hyperfokus. Während manche Aufgaben unmöglich erscheinen, kann man sich in andere Dinge stundenlang komplett verlieren. Essen vergessen. Schlaf vergessen. Zeit vergessen. Das wirkt für andere oft widersprüchlich – gehört bei vielen Betroffenen aber dazu.

Auch emotionale Probleme spielen häufig eine große Rolle. Viele Menschen mit ADHS reagieren intensiver auf Kritik, Streit oder Stress. Gefühle kommen oft mit voller Wucht. Manche sind schnell gereizt, impulsiv oder innerlich dauerhaft angespannt. Andere ziehen sich komplett zurück und wirken eher ruhig oder depressiv.

Besonders Erwachsene mit ADHS haben oft gelernt, ihre Probleme zu verstecken. Nach außen funktionieren sie irgendwie. Innerlich herrscht jedoch dauerhaft Chaos. Viele entwickeln Strategien, um nicht aufzufallen. Sie schreiben alles auf. Kontrollieren Dinge mehrfach. Machen nachts alles fertig, weil vorher nichts funktioniert hat. Oder leben dauerhaft mit dem Gefühl, nie genug zu sein.

Typische mögliche Anzeichen können sein:

  • ständige innere Unruhe

  • Konzentrationsprobleme

  • extreme Vergesslichkeit

  • Probleme mit Struktur und Organisation

  • ständiges Aufschieben wichtiger Aufgaben

  • impulsives Verhalten

  • emotionale Überreaktionen

  • Reizüberflutung

  • Schlafprobleme

  • Schwierigkeiten, den Alltag zu bewältigen

  • das Gefühl, dauerhaft überfordert zu sein

  • starke Stimmungsschwankungen

  • chaotische Gedanken

  • Probleme, Gesprächen lange zu folgen

  • gleichzeitig tausend Ideen im Kopf zu haben

Wichtig ist aber auch: ADHS sieht nicht bei jedem gleich aus.

Nicht jeder ist laut oder hyperaktiv. Manche Betroffene wirken nach außen sogar ruhig und angepasst. Besonders Frauen werden deshalb oft erst sehr spät erkannt, weil ihr ADHS sich anders zeigen kann als das klassische Bild, das viele im Kopf haben.

Ich kenne viele dieser Probleme selbst. Und rückblickend ergeben plötzlich unglaublich viele Dinge Sinn. Dinge, für die man sich jahrelang verurteilt hat. Dinge, bei denen man dachte, man sei einfach „kaputt“ oder unfähig.

Deshalb ist Aufklärung so wichtig.

Denn wenn man versteht, was möglicherweise hinter dem eigenen Verhalten steckt, kann das unglaublich entlastend sein. Es ersetzt keine Diagnose – aber es kann ein erster Schritt sein, sich Hilfe zu holen und sich selbst besser zu verstehen.

Und genau das möchte ich mit dieser Website erreichen:
Offen über psychische Erkrankungen sprechen. Ohne Scham. Ohne Vorurteile. Ohne dieses ewige „Stell dich nicht so an“.

Denn manchmal kämpft ein Mensch mit Dingen, die andere niemals sehen.

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