Dabei steckt häufig etwas ganz anderes dahinter.
Ein mögliches Anzeichen für ADHS ist zum Beispiel extreme Vergesslichkeit. Termine werden vergessen. Dinge ständig verlegt. Gespräche beginnen – und mitten im Satz weiß man plötzlich nicht mehr, was man sagen wollte. Man nimmt sich fest vor, etwas zu erledigen, aber das Gehirn scheint einfach nicht anzuspringen.
Viele Betroffene kämpfen außerdem mit Konzentrationsproblemen. Und damit ist nicht gemeint, dass man mal kurz aufs Handy schaut. Menschen mit ADHS beschreiben oft das Gefühl, dass ihr Gehirn permanent mehrere Radiosender gleichzeitig abspielt. Gedanken springen hin und her. Geräusche, Licht oder kleine Ablenkungen können plötzlich unfassbar anstrengend werden.
Gleichzeitig erleben viele etwas, das Außenstehende oft nicht verstehen: den sogenannten Hyperfokus. Während manche Aufgaben unmöglich erscheinen, kann man sich in andere Dinge stundenlang komplett verlieren. Essen vergessen. Schlaf vergessen. Zeit vergessen. Das wirkt für andere oft widersprüchlich – gehört bei vielen Betroffenen aber dazu.
Auch emotionale Probleme spielen häufig eine große Rolle. Viele Menschen mit ADHS reagieren intensiver auf Kritik, Streit oder Stress. Gefühle kommen oft mit voller Wucht. Manche sind schnell gereizt, impulsiv oder innerlich dauerhaft angespannt. Andere ziehen sich komplett zurück und wirken eher ruhig oder depressiv.
Besonders Erwachsene mit ADHS haben oft gelernt, ihre Probleme zu verstecken. Nach außen funktionieren sie irgendwie. Innerlich herrscht jedoch dauerhaft Chaos. Viele entwickeln Strategien, um nicht aufzufallen. Sie schreiben alles auf. Kontrollieren Dinge mehrfach. Machen nachts alles fertig, weil vorher nichts funktioniert hat. Oder leben dauerhaft mit dem Gefühl, nie genug zu sein.
Typische mögliche Anzeichen können sein:
ständige innere Unruhe
Konzentrationsprobleme
extreme Vergesslichkeit
Probleme mit Struktur und Organisation
ständiges Aufschieben wichtiger Aufgaben
impulsives Verhalten
emotionale Überreaktionen
Reizüberflutung
Schlafprobleme
Schwierigkeiten, den Alltag zu bewältigen
das Gefühl, dauerhaft überfordert zu sein
starke Stimmungsschwankungen
chaotische Gedanken
Probleme, Gesprächen lange zu folgen
gleichzeitig tausend Ideen im Kopf zu haben
Wichtig ist aber auch: ADHS sieht nicht bei jedem gleich aus.
Nicht jeder ist laut oder hyperaktiv. Manche Betroffene wirken nach außen sogar ruhig und angepasst. Besonders Frauen werden deshalb oft erst sehr spät erkannt, weil ihr ADHS sich anders zeigen kann als das klassische Bild, das viele im Kopf haben.
Ich kenne viele dieser Probleme selbst. Und rückblickend ergeben plötzlich unglaublich viele Dinge Sinn. Dinge, für die man sich jahrelang verurteilt hat. Dinge, bei denen man dachte, man sei einfach „kaputt“ oder unfähig.
Deshalb ist Aufklärung so wichtig.
Denn wenn man versteht, was möglicherweise hinter dem eigenen Verhalten steckt, kann das unglaublich entlastend sein. Es ersetzt keine Diagnose – aber es kann ein erster Schritt sein, sich Hilfe zu holen und sich selbst besser zu verstehen.
Und genau das möchte ich mit dieser Website erreichen:
Offen über psychische Erkrankungen sprechen. Ohne Scham. Ohne Vorurteile. Ohne dieses ewige „Stell dich nicht so an“.
Denn manchmal kämpft ein Mensch mit Dingen, die andere niemals sehen.