Besonders auffällig ist, dass ADHS in vielen Familien häufiger vorkommt. Wenn Eltern oder nahe Verwandte betroffen sind, steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich, selbst ebenfalls ADHS zu entwickeln. Oft fällt erst durch die Diagnose eines Kindes auf, dass auch Mutter oder Vater schon ihr ganzes Leben ähnliche Probleme hatten.
Zusätzlich gibt es verschiedene Risikofaktoren, die eine Rolle spielen können. Dazu gehören zum Beispiel Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt. Auch Frühgeburten, Sauerstoffmangel bei der Geburt oder der Konsum von Alkohol und Nikotin während der Schwangerschaft werden immer wieder mit ADHS in Verbindung gebracht.
Wichtig ist aber:
Ein Risikofaktor bedeutet nicht automatisch, dass jemand ADHS bekommt. Und andersherum haben viele Betroffene keinerlei bekannte Risikofaktoren.
Außerdem wird vermutet, dass bestimmte Umweltfaktoren und dauerhafter Stress vorhandene Probleme verstärken können. Gerade Menschen mit ADHS reagieren häufig empfindlicher auf Reizüberflutung, emotionale Belastung oder chaotische Lebensumstände.
Was viele ebenfalls unterschätzen:
Psychische Belastungen entstehen oft zusätzlich durch das Leben mit unerkanntem ADHS.
Wer jahrelang das Gefühl hat, nie richtig zu funktionieren, ständig Kritik bekommt oder trotz aller Mühe immer wieder scheitert, entwickelt häufig weitere Probleme. Depressionen, Angststörungen, Schlafprobleme oder ein geringes Selbstwertgefühl sind deshalb bei vielen Betroffenen keine Seltenheit.
Ich kenne dieses Gefühl selbst sehr gut.
Wenn man permanent versucht, mit einem Gehirn klarzukommen, das nie wirklich still ist, kostet das unglaublich viel Kraft. Viele Betroffene wirken nach außen vielleicht chaotisch oder unorganisiert – innerlich kämpfen sie jedoch jeden Tag gegen Überforderung, Selbstzweifel und das Gefühl, irgendwie „anders“ zu sein.
Deshalb ist es so wichtig, endlich mit den alten Vorurteilen aufzuräumen.
ADHS entsteht nicht, weil jemand zu faul ist.
Nicht wegen schlechter Erziehung.
Nicht, weil man sich „nicht genug anstrengt“.
ADHS ist eine ernstzunehmende neurologische Störung mit vielen möglichen Ursachen und Einflussfaktoren. Und je früher Betroffene verstanden und unterstützt werden, desto größer ist die Chance, besser mit den Symptomen umgehen zu können.
Genau deshalb spreche ich auf dieser Website offen über ADHS, Depressionen und andere psychische Erkrankungen. Weil Aufklärung helfen kann. Weil Verständnis helfen kann. Und weil niemand sich für seine Erkrankung schämen sollte.